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01.03.2010
“Die Opfer waren unsere Familien. 5. März – Wider das Vergessen!”
Aufruf zum 5. März 2010 in Chemnitz
Am 05. März dieses Jahres jährt sich die sinnlose Zerstörung unserer Heimatstadt zum 65. Mal.
683 britische Bomber, deren Piloten dem berüchtigten Sir Arthur Harris („Bomber-Harris“) unterstanden, führten eine Bombenlast von 413 Luftminen, 859 Tonnen Brandbomben und 1112 Tonnen Sprengbomben mit sich.
Als in Chemnitz Luftalarm gegeben wurde, waren die Bomber schon fast an ihrem Ziel. Das klirrende Heulen der wenig verbleibenden Sirenen zerschnitt die Nachtluft und riß die Menschen jäh aus dem Schlaf. Ein höllisches Inferno brach los. Es starben fast 4000 Einwohner, unter ihnen hauptsächlich Frauen, Kinder und Flüchtlinge. Über 100.000 Menschen wurden zudem obdachlos. Unzählige wurden von den in sich zusammenstürzenden Häusern oder Fabriken erschlagen und unter den heißen Trümmern lebendig begraben. Mehr als 85 % der Innenstadt brannten. Ähnlich erging es den mitteldeutschen Städten Leipzig, Magdeburg, Dessau - und Dresden.
Die restlose Zerstörung Dresdens und der damit verbundene Massenmord steht hierbei stellvertretend für den Zivilisationsbruch, den die Westalliierten zu verantworten haben. Denn während die alliierten Truppen unaufhaltsam vormarschierten, der Krieg demgemäß längst für das Deutsche Reich verloren war, wurden über den noch von Deut¬schen kontrollierten Bereichen weiterhin unablässig Bomben abgeworfen, Städte in Schutt und Asche gelegt, Flüchtlinge und Soldaten mißhandelt und zu Tausenden erschossen.
Der Rückfall des alliierten Mordkollektivs in die Barbarei konnte zu dieser Zeit von keinem Menschen erwartet werden, da eventuelle militärstrategische Ziele längst nicht mehr existent waren und breite Teile der deutschen Führung Verständigung mit den Westalliierten suchten. In der etablierten Geschichtsschreibung gilt dieser unmenschliche Bombenkrieg als genuin „deutsches“ Produkt und der Weltkrieg als solcher würde nur dorthin zurückkehren, von wo aus er die Welt in Flammen stürzte.
Diese epochale Lüge hält sich wider besseres Wissen vieler Historiker bis heute. Vergessen (und bewußt verschwiegen) wird, daß Coventry nur eine Antwort auf vorangegangene Angriffe auf München war; vergessen werden Churchills frühe Kriegsphantasien und Verwünschungen Deutschlands. Vergessen wird, daß der gesamte „Krieg viele Väter hatte“ (Gerd Schultze-Rhonhof) und eben nicht zwingend vom Kinderheim in Chemnitz-Bernsdorf ausging, in welchem allein 43 Kinder in der Nacht zum 6. März 1945 am lebendigen Leibe verbrannten.
Trotz der Detail-Kenntnis über die Chemnitzer Bombennacht erfolgt die offizielle, städtische Beschäftigung mit dem Terror lediglich oberflächlich und naiv (siehe: „Friedenstag“). Getreu dem falsch überlieferten historischen Kontext werden die Chemnitzer Toten so betrachtet, als ob sie lediglich erheblichen Kollateralschaden darstellen, die dem Frieden zu Ehren und dem Nationalsozialismus zu Schulden geopfert wurden.
Die tatsächliche persönliche Verbindung von Familienangehörigen und heutigen Bürgern dieser Stadt in die alliierte Mordnacht wird kleingeredet und allenfalls punktuell und halbherzig betrauert, um das linke Establishment der Stadt nicht zu verunsichern.
Daneben fordern jährlich einheimische Linksextreme um das „alternative Wohnprojekt“ (Reitbahnstraße 84, “ReBa“) mit ihren auswärtigen Gesinnungsgenossen: „Bomber Harris: do it again!“ und skandieren weitere menschenverachtende Parolen wie „Was tut allen Deutschen gut, Bomber Harris und die Flut“ und „Nie wieder Deutschland!“; freilich ohne vom Staat dafür belangt zu werden.
Diese nicht hinnehmbare Mischung aus städtischer Tatenlosigkeit und linksextremer Haß-Terminologie ist für uns Ekel und Ansporn zugleich, ein würdiges Gedenken für die Ermordeten zu gewährleisten.
Am 05. März möchten wir deswegen allen Menschen gedenken, die in der Chemnitzer Schreckensnacht ihre Nächsten verloren. Wir gedenken ferner all denen, die nach der bedingungslosen Kapitulation vom 08. Mai 1945 politisch diskriminiert und aus ethnischen Gründen verfolgt, gequält und ermordet wurden.
Setzen wir ein Zeichen für eine würdige Gedenkkultur, zeigen wir unseren Chemnitzern Mitbürgern, daß es uns nicht um Haß und Zwietracht zwischen den Völkern geht, sondern um eine ehrliche Aussöhnung. Diese setzt voraus, daß die Geschichte des Krieges endlich unideologisch aufbereitet wird, d.h., daß Verbrechen und Leid gleichermaßen thematisiert werden, ohne die Mär von der selbstlosen alliierten Befreiung und dem deutschen „Tätervolk“ aufrechtzuerhalten.
Wider das Vergessen - denn die Opfer waren unsere Familien.
IG Chemnitzer Stadtgeschichte
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